Eine leistungsfähige Mobilfunkversorgung im Zug erfordert Investitionen, deren Nutzen sich auf unterschiedliche Beteiligte verteilt. Wie unter diesen Bedingungen tragfähige Finanzierungs- und Kooperationsmodelle entstehen können, diskutierten am 8. September 2026 Vertreter aus Politik, Verwaltung, Bahn- und Mobilfunkwirtschaft im Berliner Admiralspalast. Beteiligt waren unter anderem das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS), das Bundesministerium für Verkehr (BMV), DB InfraGO, DB Fernverkehr, Flixtrain, Mobilfunknetzbetreiber, Unternehmen für Funkmastinfrastruktur, die Bundesnetzagentur, Fahrgastverbände und die Mobilfunkinfrastrukturgesellschaft. Organisiert und durchgeführt wurde der Workshop von aconium im Auftrag des BMDS.

Investitionskosten und Nutzen zusammenbringen

Hintergrund ist das Projekt „5GamGleis“, das seit 2023 untersucht, wie sich die Modernisierung des Bahnfunks mit dem Ausbau des öffentlichen Mobilfunks verbinden lässt. Ziel ist eine bessere Mobilfunkversorgung für Bahnreisende. Auf der Strecke von Hamburg nach Berlin erproben Netzbetreiber und Deutsche Bahn unterschiedliche technische Ausgestaltungen und Modelle zur gemeinsamen Nutzung von Infrastruktur unter realen Betriebsbedingungen.

Eine leistungsfähige Mobilfunkversorgung entlang der Schiene erfordert zusätzliche Investitionen, etwa in dichtere oder höhere Maststandorte, Strom- und Glasfaseranschlüsse sowie in Planung, Abstimmung und Betrieb. Diesen Kosten stehen unterschiedliche Vorteile gegenüber: Fahrgäste und Mobilfunkkunden profitieren von verlässlichen Verbindungen, Eisenbahnverkehrsunternehmen von höherer Kundenzufriedenheit und der Schienenverkehr insgesamt von zusätzlichen Digitalisierungsmöglichkeiten.

Für die Finanzierung ist deshalb entscheidend, welcher Teil dieses Nutzens den investierenden Unternehmen als Erlös zugutekommt. Soweit zusätzliche Kosten nicht durch die erwartbaren Mobilfunkerlöse gedeckt werden, müssen weitere Finanzierungs- und Kooperationsmöglichkeiten geprüft werden. Der Workshop setzte an dieser Frage an: Wie lassen sich Investitionen, Betrieb und Erlöse zwischen den Beteiligten so organisieren, dass ein wirtschaftlich tragfähiges Modell entstehen kann?

Anforderungen an Infrastruktur und Betrieb

Am Vormittag stand in einem Fachpanel die Frage im Mittelpunkt, welche Infrastruktur für eine leistungsfähige Mobilfunkversorgung entlang der Schiene benötigt wird und wie Planung, Bau und Betrieb künftig organisiert werden können. Diskutiert wurde dabei auch, welche Rolle Unternehmen für Funkmastinfrastruktur in einem solchen Modell übernehmen können.

Kundennutzen und Kooperationsmodelle gemeinsam betrachten

Am Nachmittag arbeiteten die Teilnehmenden in zwei parallelen Gesprächsrunden zu Kundennutzen und Marktpotenzial sowie zu Infrastruktur- und Kooperationsmodellen. Beide Gruppen bearbeiteten nacheinander beide Themen; die Moderation an den Tischen blieb jeweils bestehen.

Ausgangspunkt der Gesprächsrunde zu Kundennutzen und Marktpotenzial waren die Ergebnisse einer Onlineumfrage zur Zahlungsbereitschaft für leistungsfähige Mobilfunkverbindungen im Zug. In der zweiten Runde dienten internationale Beispiele für Tarif- und Erlösmodelle im Bahnverkehr als Grundlage für die Diskussion möglicher Finanzierungs- und Kooperationsansätze.

Durch den Wechsel zwischen den Themen konnten die Beteiligten technische Anforderungen, wirtschaftliche Erwartungen und organisatorische Fragen aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten. Die Diskussionen lieferten wertvolle Einschätzungen und Ansätze, die in der weiteren Projektarbeit geprüft und zusammengeführt werden.

Welche Fragen auch Kommunen betreffen

Verlässlicher Mobilfunk entlang der Schiene ist ein Standortfaktor – für Pendler, für Unternehmen mit guter Bahnanbindung und für Regionen, die als Arbeits- und Lebensort attraktiv bleiben wollen.

Darüber hinaus berührt das Projekt eine Frage, die auch bei kommunalen Infrastrukturvorhaben auftritt: Wie lässt sich ein Vorhaben finanzieren, wenn die investierende Stelle nur einen Teil des wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Nutzens erhält? Bei Mobilfunk-, Glasfaser- oder Rechenzentrumsvorhaben müssen öffentliche Hand, Infrastrukturbetreiber und private Investoren ebenfalls klären, wer welche Kosten, Risiken und Verantwortlichkeiten übernimmt. Die konkreten Modelle unterscheiden sich; gemeinsam ist ihnen die Notwendigkeit, diese Verteilung frühzeitig zu bearbeiten.

aconium moderierte im Auftrag von BMDS

Für die Konzeption, Organisation und Durchführung des Workshops war aconium verantwortlich. Dazu gehörten die Entwicklung der inhaltlichen Struktur, die Vorbereitung und Moderation der Fachrunde sowie die Konzeption der beiden Gesprächsrunden und ihres aufeinander aufbauenden Ablaufs.

Die im Workshop gewonnenen Erkenntnisse und offenen Fragen werden gemeinsam mit den Beteiligten ausgewertet und für die weitere Projektarbeit aufbereitet. Ziel ist es, mögliche Finanzierungs- und Kooperationsansätze genauer zu beschreiben und den weiteren Klärungsbedarf zu bestimmen.

Damit übernimmt aconium eine Aufgabe, die auch bei kommunalen Infrastrukturprojekten wesentlich ist: unterschiedliche Interessen und fachliche Anforderungen zusammenzuführen und daraus die nächsten Bearbeitungsschritte abzuleiten. Entsprechende Fragen bearbeitet aconium auch bei der Entwicklung von Finanzierungs- und Betreibermodellen für Wärmenetze, Rechenzentren oder den Glasfaserausbau.