Wenn es um die Zukunft von Regionen geht, kreist das Gespräch meist schnell um Glasfaser, Mobilfunkmasten oder digitale Anwendungen. Julia Haselberger, Teamleiterin Regionalentwicklung bei aconium, dreht diese Perspektive im Podcast „MutOffensive“ von Teleskop Effekt bewusst um: Nicht die Technologie stehe am Anfang erfolgreicher Regionalentwicklung, sondern die Frage, wo eine Region heute steht und wohin sie sich entwickeln will.
Der Ausgangspunkt ist damit weniger technisch als analytisch. Wirtschaftsstruktur, geografische Lage, demografische Entwicklung und vorhandene Kompetenzen unterscheiden sich von Region zu Region erheblich – ein Befund, der in der Praxis oft zu kurz kommt, wenn Fördermittel und Förderprogramme den Takt vorgeben. Wer Lösungen aus anderen Regionen unverändert übernimmt, riskiert, an den eigenen Voraussetzungen vorbeizuplanen. Man sollte daher eher auf einen Analyseansatz setzen, der zunächst Stärken, Schwächen und Potenziale einer Region herausarbeitet, bevor daraus ein Zielbild und schließlich konkrete Projekte entstehen. Damit wird Regionalentwicklung nicht als Übertragung vermeintlicher Erfolgsmodelle verstanden, sondern als strukturierter Prozess, der lokale Ausgangslagen ernst nimmt.
Diese Reihenfolge hat Konsequenzen für die Rolle von Infrastruktur. Sie wird nicht als Selbstzweck verstanden, sondern als Mittel, um definierte Entwicklungsziele zu erreichen. Die entscheidende Frage lautet nicht, welche Infrastruktur gebaut werden kann, sondern welche gebraucht wird, damit sich eine Region in die gewünschte Richtung bewegt. Gerade bei digitaler Infrastruktur zeigt sich das deutlich: Netze und Datenplattformen allein schaffen noch keinen Nutzen. Erst im Zusammenspiel mit digitalen Anwendungen, Cybersicherheit und den Kompetenzen der Menschen vor Ort entsteht das, was man als „Betriebssystem einer Region“ beschreiben kann – die Grundlage für neue Dienstleistungen und effizientere Verwaltungsprozesse. So wird digitale Infrastruktur zu einem Baustein regionaler Handlungsfähigkeit.
Ein zweiter roter Faden zieht sich durch das Gespräch: Beteiligung ist kein nachgelagerter Kommunikationsschritt, sondern Teil der Analysephase selbst. Verwaltungen, Wirtschaft, Wissenschaft und Bürgerinnen und Bürger bringen unterschiedliche Perspektiven und lokales Wissen ein, das sich aus Daten allein nicht erschließt. Wird dieses Wissen frühzeitig eingebunden, steigt nicht nur die Akzeptanz späterer Projekte – die Maßnahmen selbst werden passgenauer. Beteiligung wird damit zu einem fachlichen Instrument, um Zielbilder zu schärfen, Zielkonflikte sichtbar zu machen und Umsetzung realistisch vorzubereiten.
In der Praxis begleitet aconium Städte, Gemeinden, Landkreise und Regionen entlang dieser Logik: von der Bestandsaufnahme über die Entwicklung von Zielbildern und Beteiligungsprozessen bis zu Roadmaps und der Vorbereitung der Umsetzung. Ein Beispiel dafür ist das Prozessmanagement der REGIONALE in Brandenburg, bei dem aconium im Auftrag der Staatskanzlei regionale Akteure dabei unterstützte, gemeinsame Ziele sowie Arbeits- und Entscheidungsstrukturen zu entwickeln und strategische Schlüsselvorhaben für die Umsetzung zu qualifizieren. Gerade solche Prozesse zeigen, wie aus Analyse, Beteiligung und Priorisierung tragfähige regionale Projekte entstehen können.
Der Befund, den Haselberger im Podcast formuliert, lässt sich damit verallgemeinern: Digitalisierung entfaltet ihren Wert nicht durch die Technologie selbst, sondern dadurch, dass sie auf ein klar definiertes Ziel einzahlt. Regionalentwicklung, die diesen Zusammenhang ernst nimmt, beginnt am Schreibtisch der Analyse – und endet nicht dort. Sie führt von der gemeinsamen Orientierung über belastbare Entscheidungen hin zu Projekten, die vor Ort tatsächlich Wirkung entfalten können.
Die vollständige Podcast Folge sowie weitere Informationen zur Regionalentwicklung bei aconium finden Sie über die Links: