Mit dieser Frage beschäftigte sich das europäische Interreg-Projekt „Data for All – Data-driven Service Delivery in the North Sea Region“ an. Von September 2022 bis März 2026 arbeiteten 19 Partner aus sieben Ländern daran, Wege für eine systematische und verantwortungsvolle kommunale Datennutzung zu entwickeln und in der Praxis zu erproben. aconium war an der Entwicklung des Projekts beteiligt und begleitete dessen Umsetzung als Projektpartnerin.
Viele Daten – aber noch kein datenbasierter Verwaltungsprozess
Die Ausgangslage in den beteiligten Regionen dürfte vielen Kommunen bekannt vorkommen: Datenbestände sind vorhanden, ihre systematische Nutzung für öffentliche Dienstleistungen stößt jedoch auf unterschiedliche Hürden. Technische Voraussetzungen und Schnittstellen spielen dabei ebenso eine Rolle wie Zuständigkeiten, organisatorische Prozesse, rechtliche Rahmenbedingungen und die Frage, wie ein datenbasiertes Vorhaben dauerhaft betrieben werden kann.
Kommunen müssen deshalb zunächst klären, welche Aufgabe durch die Nutzung von Daten verbessert werden soll. Daraus ergeben sich weitere Anforderungen: Welche Daten werden benötigt, wer übernimmt die Verantwortung und wie lässt sich die Anwendung in bestehende Verwaltungs- und IT-Strukturen integrieren?
Die beteiligten Regionen brachten unterschiedliche Voraussetzungen und Erfahrungen in das Projekt ein. Data for All nutzte diesen Austausch, um lokale Anwendungen zu erproben und zugleich herauszuarbeiten, welche Vorgehensweisen sich auf andere Kommunen und Regionen übertragen lassen.
Vom Datenbestand zur öffentlichen Dienstleistung
In den Pilotregionen wurden konkrete Anwendungsfälle erprobt und mit Erkenntnissen aus Wissenschaft, Verwaltung und Praxis zusammengeführt. Ein zentrales Ergebnis ist die Data for All-Roadmap: ein digitaler Leitfaden, der kommunale und regionale Behörden von der Vorbereitung eines datenbasierten Vorhabens über dessen Umsetzung bis zur Weiterentwicklung und Übertragung auf weitere Anwendungsbereiche begleitet. Er berücksichtigt technische, organisatorische und finanzielle Fragen.
Ergänzend bündelt eine Wissensdatenbank zentrale Themen einer verantwortungsvollen Datennutzung. Dazu gehören unter anderem Interoperabilität, Data Governance und Datenmanagement, Offenheit, Wert und Eigentum von Daten sowie der Umgang mit Risiken. Für Kommunen entsteht damit eine Orientierung, um Datenprojekte in die Verwaltungs- und Organisationsentwicklung einzubetten.
Was Kommunen daraus für eigene Datenprojekte ableiten können
Eine zentrale Erkenntnis aus dem Projekt ist: Datenbasierte Lösungen sollten ausgehend vom konkreten kommunalen Bedarf entwickelt werden. Bevor über Plattformen, Dashboards oder technische Schnittstellen entschieden wird, braucht es ein gemeinsames Verständnis darüber, welche Aufgabe verbessert werden soll und welche organisatorischen Voraussetzungen dafür geschaffen werden müssen.
Das betrifft beispielsweise Zuständigkeiten und Governance ebenso wie Ressourcen, Finanzierung, Datenschutz, IT-Sicherheit und die Anschlussfähigkeit an vorhandene kommunale IT-Infrastrukturen. Ebenso wichtig ist es, Verwaltung, Politik und weitere relevante Akteur:innen frühzeitig einzubeziehen. Im Projekt kamen hierfür unter anderem Stakeholderinterviews und Multi-Stakeholder-Workshops zum Einsatz.
aconium: von der Projektidee bis zur Übertragung der Ergebnisse
Gemeinsam mit der belgischen Intercommunale Leiedal entwickelte aconium Data for All und begleitete das Vorhaben über die gesamte Projektlaufzeit. Die Aufgaben reichten von Projektentwicklung, Projekt- und Finanzmanagement sowie Fördermanagement bis zur Kommunikation und inhaltlichen Konzeption.
Dazu gehörten bereits in der Entwicklungsphase die Konzeption des Vorhabens, die Aktivierung und Einbindung der Partner sowie die Vorbereitung des Förderantrags. Während der Umsetzung koordinierte aconium unter anderem die transnationale Zusammenarbeit, unterstützte die Partner bei administrativen und inhaltlichen Fragestellungen, begleitete Budget und Berichterstattung und stimmte sich mit dem Interreg-Programm ab.
Inhaltlich leitete aconium zudem das Arbeitspaket, in dem das Wissen aus Forschung und Pilotvorhaben für die Data for All-Roadmap aufbereitet wurde. Darüber hinaus koordinierte aconium das deutsche Pilotvorhaben zur datengesteuerten Fan-Mobilität in der KielRegion.
Diese Aufgaben verbinden die fachliche Entwicklung eines Datenprojekts mit den Voraussetzungen seiner Umsetzung: einer funktionierenden Zusammenarbeit, gesicherter Finanzierung und nachvollziehbaren Verfahren für Steuerung und Berichterstattung.
Darijus Valiucko, EU-Projektmanager, aconium
Datenprojekte strategisch aufsetzen
Für den Einstieg in die kommunale Datennutzung lässt sich daraus ein konkretes Vorgehen ableiten: Zunächst werden die zu bearbeitende Aufgabe, die verfügbaren Daten und die zuständigen Stellen bestimmt. Darauf aufbauend können Kommunen prüfen, welche technischen Lösungen, personellen Ressourcen und finanziellen Mittel für die Umsetzung und den dauerhaften Betrieb erforderlich sind.
aconium begleitet Kommunen und öffentliche Akteure bei der Entwicklung und Umsetzung datenbasierter Vorhaben – von der Strukturierung der Projektidee und der Einbindung der Beteiligten über Förder- und Projektmanagement bis zur Übertragung und Weiterentwicklung erprobter Ansätze. Die im Projekt Data for All gewonnenen Erfahrungen aus unterschiedlichen europäischen Kommunen und Regionen fließen dabei in die Entwicklung weiterer Vorhaben ein.