Genau an dieser Schnittstelle setzt das europäische LIFE-Projekt PUBLINK – Public Authorities linking Energy Communities into Local Plans and Strategies an. Ziel ist es, die Zusammenarbeit zwischen öffentlichen Verwaltungen und Energiegemeinschaften zu verbessern und gemeinschaftliche Energieversorgung stärker in lokale Strategien und Planungsprozesse einzubinden.
In Bremen entwickeln aconium und energiekonsens gemeinsam mit Vertreter:innen der Verwaltung und weiteren lokalen Akteur:innen einen Aktionsplan für Energiegemeinschaften. Beim vierten Runden Tisch im Klima-Bau-Zentrum wurde der bisherige Entwurf vorgestellt und mit Fachleuten aus Energiegemeinschaften, Immobilienwirtschaft, Forschung, Nichtregierungsorganisationen und weiteren Bereichen diskutiert.
Von einzelnen Anfragen zu klaren Strukturen
Eine zentrale Herausforderung besteht darin, Anfragen zu Energiegemeinschaften nicht als Einzelfälle zu behandeln, sondern verlässliche Strukturen innerhalb und außerhalb der Verwaltung zu schaffen. Der Bremer Aktionsplan versteht sich deshalb nicht als politisches Grundsatzpapier, sondern als Maßnahmenkatalog. Ziel ist es, die Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, Energiegemeinschaften und Menschen mit Interesse an gemeinschaftlicher Energieversorgung zu verbessern.
Der aktuelle Entwurf umfasst acht Ansätze. Dazu gehören Informations- und Beratungsangebote ebenso wie Maßnahmen zur verwaltungsinternen Koordination und Qualifizierung. Vorgesehen sind eine zentrale Landingpage, regelmäßige Vernetzungstreffen, eine Beratungsstelle für Energiegemeinschaften, ein Bremer Fachtag, Angebote zur Professionalisierung bestehender Initiativen, ein verwaltungsinternes Laufdiagramm, Weiterbildungsangebote sowie eine interne Koordinierungsstelle.
Dabei setzt der Entwurf an unterschiedlichen Stellen des Prozesses an. Eine Landingpage soll beispielsweise Informationen zu rechtlichen, finanziellen, technologischen und verwaltungsbezogenen Fragen bündeln und Interessierten eine erste Einschätzung ermöglichen, ob die Gründung einer Energiegemeinschaft grundsätzlich realisierbar sein könnte. Eine unabhängige Beratungsstelle soll darauf aufbauend individuelle Fragestellungen klären und erste Schritte auf dem Weg zur Gründung begleiten.
Auch die Verwaltung braucht Orientierung
Mehrere der vorgeschlagenen Maßnahmen richten sich gezielt nach innen. Ein internes Laufdiagramm soll Zuständigkeiten und Abläufe innerhalb der Bremer Verwaltung abhängig von Projektgröße, Aktivitäten und eingesetzter Energietechnologie sichtbar machen. Ergänzend sind Weiterbildungsangebote vorgesehen, die Grundlagen zu Energiegemeinschaften sowie verwaltungsinterne Zuständigkeiten und Prozesse vermitteln.
Eine interne Koordinierungsstelle soll darüber hinaus als zentrale Anlaufstelle fungieren. Dort könnten Informationen gebündelt, Anliegen eingeordnet und an die zuständigen Stellen innerhalb der Verwaltung weitergeleitet werden. Gerade bei ressortübergreifenden Themen kann eine solche Funktion verhindern, dass Zuständigkeiten für Antragstellende oder Initiativen unklar bleiben.
Beim Runden Tisch wurde entsprechend deutlich, dass die interne, ressortübergreifende Abstimmung eine wesentliche Voraussetzung dafür ist, Energiegemeinschaften wirksam zu unterstützen. Gleichzeitig wurde diskutiert, wie gemeinschaftliche Energieprojekte finanziell unterstützt und auch in Quartieren mit einem hohen Anteil einkommensschwacher Haushalte zugänglich gemacht werden können.
Was andere Kommunen daraus ableiten können
Der Bremer Prozess zeigt, dass der Aufbau von Energiegemeinschaften nicht allein eine energietechnische Frage ist. Kommunen müssen zugleich Informationswege, Zuständigkeiten, Beratungsangebote und interne Prozesse gestalten.
Für andere Städte, Gemeinden und Landkreise lassen sich daraus mehrere praktische Ansätze ableiten. Hilfreich ist zunächst eine Bestandsaufnahme: Welche Fachbereiche sind betroffen? Wo laufen Anfragen heute auf? Welche Informationen fehlen Initiativen regelmäßig? Und an welchen Stellen entstehen Verzögerungen, weil Zuständigkeiten nicht eindeutig geklärt sind?
Darauf aufbauend müssen nicht sofort neue umfangreiche Strukturen geschaffen werden. Bereits ein klarer interner Prozess, eine zentrale Informationsseite oder eine eindeutig benannte Ansprechstelle können die Orientierung sowohl innerhalb der Verwaltung als auch für externe Initiativen verbessern. Entscheidend ist, organisatorische, fachliche und kommunikative Maßnahmen miteinander zu verbinden.
Ebenso wichtig ist die frühzeitige Beteiligung derjenigen, die solche Angebote später nutzen sollen. Genau diesem Zweck diente der vierte Runde Tisch: Vertreter:innen unterschiedlicher Bereiche prüften, ob die vorgesehenen Maßnahmen ihren praktischen Erfahrungen und Bedarfen entsprechen. Die Rückmeldungen sollen nun in die weitere Ausarbeitung des Aktionsplans einfließen.
Erfahrungen für weitere Kommunen nutzbar machen
Bremen ist einer von drei Pilotstandorten des PUBLINK-Projekts. Weitere Ansätze werden in Ponferrada in Spanien und Siemiatycze in Polen erprobt. Die Erfahrungen aus den unterschiedlichen rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen sollen in ein PUBLINK Innovation Toolkit einfließen. Damit sollen die im Projekt gewonnenen Erkenntnisse auch anderen öffentlichen Verwaltungen für den Aufbau und die Einbindung von Energiegemeinschaften zur Verfügung stehen.
aconium bringt in PUBLINK insbesondere Erfahrung an der Schnittstelle von europäischen Projekten, kommunalen Strukturen, Stakeholderprozessen und der Übertragung von Projektergebnissen ein. Gemeinsam mit den beteiligten Akteur:innen werden Ansätze entwickelt, die nicht bei einzelnen Pilotmaßnahmen stehen bleiben, sondern auch für andere Kommunen nachvollziehbar und übertragbar sein sollen.