„Robotik wird über die Wettbewerbsfähigkeit von Deutschland entscheiden“, so leitete Prof. Dr. Tamim Asfour vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) seinen Impulsbeitrag in der Auftaktsitzung der Arbeitsgruppe „Physical AI“ ein. Und in der Tat hat Physical AI das Potenzial vieles grundlegend zu verändern.

Physical AI bezeichnet die Verbindung von Künstlicher Intelligenz mit Robotik und anderen physischen Systemen. Dazu gehören unter anderem autonome Fahrzeuge, Assistenz- und Pflegeroboter sowie intelligente Steuerungs- und Monitoringlösungen in Landwirtschaft, Produktion und Logistik. Die Entwicklung dieser Technologien schreitet derzeit rasant voran: Aus ersten Pilotprojekten werden zunehmend alltagsnahe Anwendungen, die unsere Lebens- und Arbeitswelten spürbar verändern.

Mit dieser Dynamik gehen weitreichende technische, rechtliche und gesellschaftliche Fragestellungen einher. Im Fokus stehen Anforderungen an Sicherheit und Zuverlässigkeit der Systeme, Haftungs- und Regulierungsfragen, Daten- und Governance-Strukturen, aber auch Auswirkungen auf Arbeitsmärkte vor dem Hintergrund des demografischen Wandels sowie Akzeptanz und Erwartungen in der Gesellschaft. International werden Standards und industrielle Strategien bereits intensiv diskutiert und vorangetrieben – mit direkten Folgen für Wettbewerbsfähigkeit, Wertschöpfung und technologische Souveränität.

Vor diesem Hintergrund stellt sich auch in Deutschland die zentrale Frage, wie Physical AI verantwortungsvoll, gemeinwohlorientiert und mit gesellschaftlicher Akzeptanz gestaltet werden kann. Die Arbeitsgruppe „Physical AI“ der Initiative D21 versteht die gegenwärtige Entwicklung nicht nur als technologische Innovation, sondern als Bestandteil eines umfassenden gesellschaftlichen Transformationsprozesses.

In der Arbeitsgruppe kommen Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft zusammen. Im Mittelpunkt steht der gemeinsame fachliche Austausch darüber, in welchen Bereichen Physical AI Anwendung finden wird, welche Chancen und Risiken damit verbunden sind und welche Rahmenbedingungen für einen verantwortungsvollen Einsatz erforderlich sind. Dabei geht es ebenso um Fragen der industriellen Skalierung, der Vernetzung von Forschung und europäischen Ökosystemen wie um rechtliche Rahmenbedingungen und Standardisierung sowie der gesellschaftlichen Akzeptanz.

„Der AG-Auftakt hat deutlich gemacht, wie wertvoll der sektorübergreifende Austausch ist. Unser Ziel ist es, frühzeitig Orientierung für gesellschaftliche und politische Entscheidungen zu geben und gemeinsame Zukunftsbilder für den Einsatz dieser Technologien zu entwerfen“, betont Tim Brauckmüller, Leiter der Arbeitsgruppe.

An der Sitzung beteiligt waren unter anderem Vertreterinnen und Vertreter von Initiative D21, aconium, lawpilots, dem Karlsruher Institut für Technologie, dem DLR – Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt sowie dem Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt.

Die Sitzungen der Arbeitsgruppe verbinden technische und rechtliche Perspektiven mit gesellschaftlicher und politischer Einordnung. Auf dieser Grundlage werden entlang eines Action Plans Szenarien und Orientierungsangebote erarbeitet, die Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern in Politik, Verwaltung und Organisationen als Bezugspunkte dienen können. Ziel ist es, die öffentliche Diskussion zu Physical AI zu strukturieren und zu einer informierten Meinungsbildung beizutragen.

Damit bietet die Arbeitsgruppe einen Rahmen, in dem unterschiedliche Akteursgruppen ihre Erfahrungen und Erwartungen einbringen, Annahmen überprüfen und gemeinsame Positionen entwickeln können. Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, dass in Deutschland die Weiterentwicklung und Nutzung von Physical AI aktiv mitgestaltet wird – transparent, dialogorientiert und an demokratischen und rechtsstaatlichen Grundsätzen ausgerichtet.

„Ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit in der Arbeitsgruppe und darauf, gemeinsam konkrete Rahmenbedingungen und Handlungsempfehlungen für den verantwortungsvollen Einsatz von Physical AI zu entwickeln“, so Brauckmüller.