Interview mit Andreas Schröder, aconium GmbH

Herr Schröder, warum ist der Mobilfunkausbau derzeit ein so zentrales Thema?

Leistungsfähige Mobilfunknetze sind längst mehr als nur technische Infrastruktur. Sie sind Standortfaktor, Wirtschaftsmotor und Teil der Daseinsvorsorge. Dennoch gibt es gerade in ländlichen Regionen wie Z.B. dem Berchtesgadener Land oder entlang der Grenzen zu Tschechien und Österreich weiterhin Versorgungslücken. Die Ursachen liegen weniger in fehlendem Willen als in strukturellen Rahmenbedingungen wie anspruchsvoller Topografie, naturschutzrechtlichen Vorgaben und einer geringen Siedlungsdichte.

Bis 2030 soll eine nahezu flächendeckende Versorgung erreicht werden. Wo stehen wir aktuell?

Die Bundesnetzagentur schreibt eine Abdeckung von 99,5 Prozent vor. Die verbleibenden weißen Flecken stellen jedoch jene Gebiete dar, in denen technische, räumliche und organisatorische Hürden besonders ausgeprägt sind. Neben herausfordernder Topografie erschweren fehlende Stromanschlüsse oder Vorbehalte gegen neue Standorte den Ausbau. Gleichzeitig wächst der Datenverkehr kontinuierlich, was eine zusätzliche Verdichtung bestehender Netze notwendig macht, da höhere Frequenzen zwar leistungsstärker, aber deutlich reichweitenärmer sind.

Welche Rolle spielen die Kommunen dabei?

Eine ganz zentrale. Kommunen können den Ausbau erheblich beschleunigen, wenn sie aktiv Daten erheben, koordinieren und transparent kommunizieren. Messfahrten oder die Beteiligung an der bundesweiten Mobilfunkmesswoche schaffen eine solide Informationsbasis. Damit entsteht eine Situation, in der Kommunen nicht nur Betroffene, sondern gestaltende Partner sind und Gespräche mit Netzbetreibern auf Grundlage belastbarer Daten führen können.

Wie kann Digitalisierung hier helfen?

Mit Geoinformationssystemen (GIS) lassen sich Mobilfunkabdeckung, öffentliche Liegenschaften, Glasfasertrassen oder Naturschutzgebiete zusammenführen. Dadurch entsteht eine analytische Grundlage, mit der Kommunen geeignete Standorte systematisch identifizieren und Prioritäten nachvollziehbar setzen können. Rheinland-Pfalz hat mit einer landesweiten Clearingstelle gute Erfahrungen gemacht. Solche zentralen Strukturen erleichtern Abstimmung, Beschleunigung und Transparenz und könnten auch in anderen Bundesländern Orientierung geben.

Welche weiteren Maßnahmen sehen Sie als entscheidend an?

Hilfreich sind Standortmelder-Portale, Markt- und Behördenübersichten sowie Schulungen, die Genehmigungsverfahren vereinfachen. Ein weiterer struktureller Engpass betrifft die Stromversorgung neuer Standorte. aconium hat zudem den bundesweit ersten Stromworkshop initiiert, um Energiewirtschaft und Mobilfunkbranche erstmals an einem Tisch zusammenzuführen und Schnittstellenprobleme sichtbar zu machen. Denn oft entscheidet die Stromanbindung über den zeitlichen Fortschritt eines Ausbauvorhabens.

Wie wird sich der Ausbau künftig entwickeln?

Wir beobachten, dass Mobilfunk zunehmend linienförmig gedacht wird, etwa entlang großer Verkehrsachsen. Die Integration solcher Infrastrukturen in bestehende Verkehrskorridore, wie aktuell auf der sanierten Bahnstrecke Hamburg Berlin, verdeutlicht, wie wichtig es ist, Infrastrukturpolitik stärker zusammenzudenken.

Ihr Fazit?

Der Mobilfunkausbau ist keine Aufgabe allein der Netzbetreiber. Kommunen, Landkreise und Länder sind zentrale Partner. Je besser Daten, Prozesse und Kommunikation auf kommunaler Ebene strukturiert werden, desto eher gelingt ein zuverlässiger Ausbau. Der Weg zu einer flächendeckenden Mobilfunkversorgung führt daher über kommunale Handlungsfähigkeit, koordinierte Abläufe und eine partnerschaftliche Zusammenarbeit aller Beteiligten.