Die BREKO fiberdays 2026 machten deutlich, dass Glasfaser weit mehr ist als ein technisches Ausbauziel. Digitale Infrastruktur ist zur Querschnittsaufgabe geworden: Sie verbindet wirtschaftliche Entwicklung, Verwaltung, Datenökonomie, Innovationsfähigkeit und gesellschaftliche Teilhabe. Daher beschäftigt die Branche vor allem die Frage, wie Infrastrukturen so geplant und weiterentwickelt werden können, dass sie langfristig leistungsfähig, resilient und zukunftssicher sind.
Bereits zur Öffnung der Messe war die Aufbruchsstimmung in den Hallen spürbar. Das Motto der diesjährigen fiberdays, „Gemeinsam Tempo machen. Resilient. Nachhaltig. Zukunftssicher“, zog sich als roter Faden durch den ersten Veranstaltungstag. Mit den passenden infrastrukturellen Voraussetzungen, können die vielen innovative Ideen auf dem Markt ausgeschöpft werden. Glasfaser gehört dabei heutzutage selbstverständlich dazu. Die Herausforderung besteht noch darin, die digitale Infrastruktur schnell und mit resilienten Netzwerken bereitzustellen.
Beim Eröffnungspanel begrüßten BREKO-Präsident Norbert Westfal und BREKO-Geschäftsführer Dr. Stephan Albers die Besucher:innen, Veranstalter:innen und Partner der Messe. Dabei hoben sie insbesondere das 15-jährige Bestehen der fiberdays hervor und fühlten sich im kurzen Rückblick auf die Anfänge der Messe bestätigt von der wachsenden Bedeutung der Branche.
Inhaltlich stand die Rolle des Wettbewerbs im Telekommunikationsmarkt im Fokus. Eine aktuelle Civey-Umfrage zeigt: 65 Prozent der Befragten bewerten es als eher gut oder sehr gut, dass Verbraucher:innen aus vielen Telekommunikationsunternehmen wählen können statt nur aus einem Anbieter. Nur 16,1 Prozent sehen dies negativ. Die Vorteile des Wettbewerbs liegen für die Menschen vor allem in niedrigeren Preisen, größerer Tarifauswahl und besseren Leistungen.
Auch die Investitionskraft des Wettbewerbs wurde unterstrichen: Laut BREKO-Marktanalyse wurden im Jahr 2024 15,3 Milliarden Euro investiert, davon 65,5 Prozent durch den Wettbewerb. Seit 1998 summieren sich die Investitionen in den Markt auf 230 Milliarden Euro.
Ministerin Sinemus: Digitale Infrastruktur europäisch stärken
Ein weiterer Höhepunkt des Vormittags war die Keynote von Hessens Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus. Sie machte deutlich, dass Europa als Digitalstandort gestärkt werden müsse, um auch Deutschland wettbewerbsfähig zu halten. Hessen nehme dabei bereits heute eine besondere Rolle ein.
Ein zentrales Thema war die Frage, wie Infrastrukturprojekte schneller, fundierter und wirtschaftlich tragfähig geplant werden können. Datenbasierte Ansätze schaffen hier mehr Planungssicherheit, weil sie Ausbauoptionen, Kosten, Szenarien und Umsetzungsbedingungen frühzeitig zusammenführen. Hessen wolle im Bereich Glasfaser, Mobilfunk und 6G-Campusnetze gezielt investieren. Als wichtige Hebel nannte Sinemus Entbürokratisierung, innovationsfreundliche Regelwerke und das Breitbandportal mit dem Ziel einer vollständig digitalen Antragstellung, um Genehmigungsverfahren weiter zu beschleunigen.
Deutlich wurde zudem die besondere Rolle starker Rechenzentrumsstandorte für Wettbewerbsfähigkeit, Datenökonomie und digitale Souveränität. Zugleich rücken damit Fragen der Energieversorgung, Flächenverfügbarkeit, Netzanbindung, Nachhaltigkeit und Genehmigungsprozesse in den Vordergrund. In diesem Zusammenhang verwies die Ministerin auf die hessische Rechenzentrumsstrategie, die Themen wie Nachhaltigkeit, Netzausbau und Wettbewerbsfähigkeit zusammenführen soll. Die aconium erarbeitet derzeit Leitlinien und Handlungsempfehlungen für eine nachhaltige, resiliente und zukunftsfähige Entwicklung von Rechenzentren in Hessen im Auftrag der Hessen Trade and Invest (HTAI) unter Federführung des Hessischen Ministerium für Digitalisierung und Innovation (HMDI). Der Strategieprozess adressiert insbesondere die Handlungsfelder Energieversorgung und Abwärmenutzung, Raumplanung und Standortentwicklung sowie den Aufbau eines leistungsfähigen digitalen Ökosystems.
Beim Messestand von aconium auf den fiberdays konnte die Ministerin weitere Anwendungsbeispiele aus den Bereichen digitale Infrastruktur, Künstliche Intelligenz, resiliente Netze und die strategische Verbindung von Innovation, Regulierung und Umsetzung kennenlernen.
Austausch am aconium Stand: digitale Infrastrukturen strategisch weiterdenken
Auch der Besuch von Staatssekretär Sauer am aconium Stand fügte sich in diesen größeren Zusammenhang ein. Im Austausch mit dem Team standen die Chancen digitaler Infrastrukturen für Verwaltung und Regionen ebenso im Mittelpunkt wie Fragen resilienter Strukturen, klarer Governance und einer praxisnahen Umsetzung.
Deutlich wurde dabei, dass digitale Zukunftsfähigkeit nicht aus isolierten Maßnahmen entsteht, sondern aus dem Zusammenspiel technischer, organisatorischer und politischer Ebenen. Netze, Daten, Rechenkapazitäten, Planung und regionale Wertschöpfung müssen zusammen gedacht werden, damit digitale Transformation nachhaltig wirksam werden kann.
aconium bringt KI-Perspektiven auf die Bühne
Bereits bei der Eröffnungsveranstaltung betonte Tim Brauckmüller, Geschäftsführer der aconium, dass Glasfaser weit mehr ist als reine Infrastruktur – sie ist eine Querschnittsinfrastruktur, die zahlreiche Zukunftsfragen berührt. Entsprechend versteht aconium das KI-Forum auf den BREKO fiberdays als Ort, an dem nicht nur technologische Möglichkeiten, sondern auch konkrete Anwendungsfälle, Herausforderungen und Zukunftsperspektiven diskutiert werden.
Im KI-Forum wurde deutlich, dass der produktive Einsatz von KI vor allem dort an Relevanz gewinnt, wo Komplexität steigt, Datenmengen zunehmen und Entscheidungsprozesse beschleunigt werden müssen. Die Beiträge spannten dabei bewusst einen weiten Bogen: von der Bewertung domänenspezifischer KI-Anwendungen über den Einsatz intelligenter Verfahren in der Netzplanung bis hin zu rechtlichen, infrastrukturellen und organisatorischen Voraussetzungen. Die Leitidee war, KI nicht isoliert als Technologie zu betrachten, sondern als Werkzeug, das nur dann wirksam wird, wenn es in reale Prozesse, bestehende Architekturen und verantwortungsvolle Governance eingebettet ist.
Ein wichtiger inhaltlicher Schwerpunkt war die Frage nach der Qualität und Verlässlichkeit von KI-Systemen. Am Beispiel von Unternehmens-Chatbots in der Wasserwirtschaft wurde aufgezeigt, dass es bei KI-Anwendungen nicht allein auf Leistungsfähigkeit ankommt, sondern ebenso auf Bewertbarkeit, Interpretationssicherheit und die belastbare Einordnung von Ergebnissen. Damit rückte ein Thema in den Vordergrund, das weit über einzelne Branchen hinausweist: Wer KI sinnvoll einsetzen will, braucht geeignete Maßstäbe, um Qualität, Robustheit und Praxistauglichkeit systematisch zu prüfen.
Daneben wurde KI als Hebel für die Effizienzsteigerung im Infrastrukturbereich greifbar. Besonders in der automatisierten Netzplanung zeigte sich das Potenzial algorithmischer Verfahren, komplexe Ausbauvorhaben datenbasiert zu unterstützen und Planungsprozesse deutlich zu beschleunigen. Gleichzeitig wurde nicht verschwiegen, dass reale Umgebungsbedingungen, heterogene Datenlagen und technische Detailfragen die Grenzen heutiger Systeme markieren. Gerade diese Verbindung aus praktischem Nutzen und realistischer Einordnung machte den Mehrwert des Forums aus: Es ging nicht um Heilsversprechen, sondern um konkrete Anwendungsfälle mit erkennbarem Entwicklungspfad.
Ein weiterer Strang der Diskussion betraf die Sicherheit und Integrität digitaler Systeme. Mit Blick auf manipulierbare Endpunkte, Sensoren, Netzknoten und KI-Modelle wurde deutlich, dass mit wachsender Automatisierung auch die Anforderungen an Vertrauenswürdigkeit, Schutzmechanismen und Integritätsstrategien steigen. KI wurde hier nicht nur als Beschleuniger von Prozessen behandelt, sondern zugleich als Teil einer kritischen Infrastruktur, deren Resilienz und Absicherung mitgedacht werden muss. Damit rückte das Forum ein Thema ins Zentrum, das für die Zukunft digitaler Infrastrukturen entscheidend ist: Leistungsfähigkeit allein reicht nicht aus, wenn Systeme nicht zugleich robust, überprüfbar und widerstandsfähig sind.
Darüber hinaus zeigte das KI-Forum, dass KI längst auch in angrenzenden Bereichen erhebliche Wirkung entfaltet. Beiträge zu Telekommunikation, Mittelstand, Buchhaltung, Prozessautomatisierung, Baudokumentation und GIS machten deutlich, dass sich viele Herausforderungen sektorübergreifend ähneln: Es geht um Datenqualität, Schnittstellen, Standardisierung, menschliche Validierung und die Frage, wie technologische Systeme sinnvoll in operative Abläufe integriert werden. Gerade diese sektorübergreifende Perspektive entsprach dem strategischen Anspruch des Forums, Infrastruktur nicht in Silos zu denken, sondern interoperabel und ganzheitlich.
aconium im Panel zu Edge-Infrastrukturen und Datenzentren
Auch jenseits des KI-Forums brachte aconium seine Expertise in hochkarätige Diskussionen ein. Dirk Loop diskutierte beim High-Level-Panel „Vom Glasfasernetz zum Edge Datacenter – Wie lokale Infrastruktur zur Schaltzentrale wird“ auf der Eco Datacenter Plaza mit Vertreter:innen aus Rechenzentrums- und Telekommunikationswirtschaft über die wachsende Bedeutung lokaler digitaler Infrastruktur.
Das High-Level-Panel weitete diesen Blick noch einmal und rückte die Zusammenhänge zwischen Glasfasernetzen, Edge-Infrastrukturen und dezentralen Rechenzentrumsstrukturen in den Mittelpunkt. Die Diskussion machte deutlich, dass die Zukunft digitaler Infrastruktur nicht allein in leistungsfähigen Netzen liegt, sondern in ihrem Zusammenspiel mit regional verankerten Datenverarbeitungs- und Rechenkapazitäten. Lokale Edge- und Datacenter-Strukturen wurden dabei als strategische Schaltstellen verstanden, die geringe Latenzen, höhere Ausfallsicherheit und neue regionale Wertschöpfung ermöglichen können. Entscheidend ist aus dieser Perspektive, digitale Infrastruktur als Ökosystem zu begreifen – mit Konnektivität, Rechenleistung, Energieversorgung und Sicherheitsanforderungen als zusammenhängenden Bausteinen.
Digitale Souveränität und Resilienz als europäische Aufgabe
Ein weiterer Höhepunkt war das ICX Panel „Data Sovereignty & Resilience“. Hier diskutierte Maxi Kussatz für aconium gemeinsam mit Vertreter:innen der Europäischen Kommission, von BEREC und der Rechenzentrumsbranche über digitale Souveränität, Regulierung und resiliente Infrastrukturen.
Aus aconium Sicht wurde deutlich: Wer digitale Infrastruktur erfolgreich entwickeln will, muss Regulierung und Umsetzung gleichermaßen im Blick behalten. aconium empfiehlt daher, gezielt in digitale Infrastruktur auf kommunaler Ebene zu investieren und dabei alle relevanten Stakeholder zusammenzubringen. Resilienz entsteht dort, wo unterschiedliche Infrastrukturbereiche intelligent zusammengedacht und miteinander verbunden werden.
Im Panel wurde zudem betont, dass Europa eigene Wege gehen sollte – nicht als Kopie anderer Märkte, sondern mit einer nachhaltigen, strategischen und partnerschaftlichen Infrastrukturpolitik. Datensouveränität umfasst dabei weit mehr als den Standort einzelner Rechenzentren: Sie betrifft die Frage, wie Daten, Regulierung, Energie, Netze und digitale Dienste in Europa zusammenspielen.
Gerade darin lag eine zentrale Botschaft der fiberdays 2026: Resiliente digitale Infrastruktur entsteht nicht durch Einzellösungen, sondern durch das intelligente Zusammenwirken von Technologie, Governance, Regulierung und Umsetzungskompetenz. Harmonisierung kann helfen, wo sie Planbarkeit, Interoperabilität und Skalierbarkeit verbessert; zugleich braucht es genügend Flexibilität, damit Investitionen, Innovation und operative Machbarkeit nicht behindert werden. Für aconium wurde damit einmal mehr die eigene Rolle als Brückenbauer zwischen strategischen Zielen, öffentlicher Hand, Marktakteuren und praktischer Umsetzung sichtbar.
Insgesamt haben die BREKO fiberdays 2026 damit vor allem eines unterstrichen: Die entscheidenden Zukunftsfragen digitaler Infrastruktur liegen an den Schnittstellen. KI, Glasfaser, Rechenzentren, Regulierung und Souveränität sind keine getrennten Themenfelder mehr, sondern Teile einer gemeinsamen infrastrukturellen Realität. Das KI-Forum und die strategischen Panels haben genau diese Zusammenhänge sichtbar gemacht – praxisnah, sektorenübergreifend und mit klarem Fokus auf die Frage, wie aus technologischen Möglichkeiten belastbare Strukturen für eine resiliente digitale Zukunft werden können.